„Die beste Klezmerband der Welt“ Alec Kopyt (Amsterdam Klezmer Band)
Die Baranowskys aus Kodyma bei Odessa pflegen seit Generationen die wilde und melodiöse „Wedding Music“ der alten Regionen Bessarabien und Podolien, das sich vom moldawischen Transnistrien in die südwestliche Ukraine hinein erstreckt. 2006 schloss sich ihnen der Berliner Klezmerklarinettist Christian Dawid an. Als Konsonans Retro sind sie der seltene Glücksfall lebendiger Tradition, eine Art vitales ethnographisches Museum und zugleich höchst aktuelle Einheizer in der zeitgenössischen Clubszene, sowohl balkan- als auch russen-disko-kompatibel. Stellt die Region doch ein kompliziertes Amalgam unterschiedlichster ethnischer Einflüsse dar: Rumänen, Moldawier, Russen, Ukrainer, Roma, Armenier, Bulgaren, Tataren, turksprachige Gargausen etc. Wer moldawische Musik kennt und bedenkt, dass Alexander Puschkin (1799–1837) von riesigen albanischen Räuberbanden (!) in dieser Region berichtet, wird den „balkanischen“ Einfluss im Hinterland von Odessa kaum mehr leugnen. Fangen Konsonans Retro allerdings zu singen an, wird man an die kraftvollen, mehrstimmigen russischen und ukrainischen Dorfgesänge erinnert. Vor allem führen die Baranowskys und ihre Schwager unzählige Musikstücke ihrer einst ermordeten und vertriebenen jüdischen Nachbarn im Repertoire und sind damit von unschätzbarem kulturellem Wert. Das dürfte auch Christian Dawid sowie den Londoner Drummer Guy Shalom veranlasst haben, sich mit ihnen zusammenzutun. Dawid gilt wegen seiner Virtuosität und Empathie als einer der wenigen deutschen Klezmermusiker, die vom US-Klezmerrevival und anderen Größen jüdischer und nichtjüdischer Roots-Musik anerkannt werden, wie gemeinsame Auftritte mit Boban Marković, Theodore Bikel, Frank London, Brave Old World, Budowitz oder Paul Brody’s Sadawi bestätigen.