|
|
|
|
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - FATIMA SPAR & DIE FREEDOM FRIES (Türkei/Österreich/Serbien & Montenegro/Mazedonien/Bulgarien/Ukraine) Fatima Spar: Gesang, Tamburin Alexandar Wladigeroff: Trompete, Flügelhorn Andrej Prosoroff: Saxophon Franz Gützner: Posaune Miloš Todorovski: Akkordeon Marko Marušić: Gitarre Philipp Moosbrugger: Kontrabass Erwin Schober: Drums Seit Frühling 2004 bläst eine junge Live-Band die DJs von den Turntables der Wiener Clubszene, die wir auch für Balkan Fever engagiert hätten, wenn sie nicht im Dezember den World-Music-Förderpreis im Porgy & Bess gewonnen hätte. Fatima Spar & Die Freedom Fries trafen ein techno- und dancefloormüdes Publikum zur richtigen Zeit am richtigen Nerv: nicht mit Authentizität, sondern Originalität. Mit einem Konzept, das ebenso offen ist wie die Band selbst: Heiße, dreckige Grooves und hemmungslos-spontaner Spielwitz. Guter alter Swing à la Jungle Style und New Orleans, Bepop, Gypsy-Brass à la Balkan, orientalischer Pop, russischer Punk und nicht elektronische Drum-‘n’-Base-Sequenzen schmelzen im Hochofen der Freedom Fries zu stets frisch und feurig servierter Tanzmusik, der man das historische Alter ihrer Zutaten nicht anmerkt. Auch ist es unerheblich, wie multikulturell die Combo ist, deren Mitglieder aus allen möglichen Nachfolgestaaten der Habsburger und osmanischen Imperien zwanglos zusammenfanden. Man könnte sie als erste postosmanische Swingband bezeichnen, und in der Tat jammen die Freedom Fries bisweilen so, als wäre Harlem eine Mahala (Viertel) Belgrads oder Izmirs. Unüberhör- und -sehbares Kraftzentrum der Band ist Frontfrau Fatima Spar, die ihre Texte auf Türkisch und Englisch schreibt und mit fiebrig-lasziver Intensität singt. Die seit Jahrzehnten obligaten elektronisch verfremdeten Stimmensamplings der DJ-Kultur parodiert sie schlicht mit einem Megaphon, wie beim Song „Joseph, Joseph“, der längst schon ein Hit der Wiener Clubs ist. Die „Slawen“ der Band sind jazzerprobte Tausendsassa wie etwa der ukrainische Sax-Virtuose Andrej Prosoroff oder das bulgarische Trompeten-Ass Alexander Wladigeroff oder die Serben Miloš Todorovski, der Gründer von „Minimal Tango“, und Marko Marušić, ein formvollendeter Gypsy-Swing- und Latin-Gitarrist. Drummer Erwin Schober wirft Hardcore-und Drum-‚n’-Base-, Posaunist Franz Grützner Marschmusikerfahrung in den Kreativitätsjackpot, und Philipp Moosbrugger ist mit seinem unbändigen Walking Bass der Swing-Hipster der Band. Die Freedom Fries sind endlos erweiterbar, gelegentlich taucht bei ihnen der deutsche Posaunist Dieter Fischer auf, der schon mit Tom Waits gearbeitet hat, seltener sogar das bulgarische Percussionwunder Stoyan Yankoulov (siehe Balkan Winds und Drumboy). Spielplan gibt es keinen, der wird vor jeder Nummer erneut ausgehandelt. Fatima Spar & die Freedom Fries haben im Laufe ihres kurzen Bestehens bereits Clubs und Festivals in Deutschland und Belgien und sogar in so exotischen Ländern wie der Schweiz zum Ausflippen gebracht. Klassische Intellektuellenvorwürfe wie „retro“ oder „restaurativ“ schmelzen bei ihren Sessions wie Eiswürfel in kochendem Gulasch. Musik, die in Honky-Tonks, levantinischen Café Amans , Jazz-Clubs und Clubbings gleichermaßen den Siedepunkt übersteigt. Musik, die gefangen nimmt, oder wie es die englische Sprache andersrum und besser ausdrückt: which takes no prisoners. Sa., 16. April 2005 SZENE WIEN Hauffgasse 26 1110 Wien Tel.: (01) 7493341 www.szenewien.com | |
|
| |